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Interview mit Nadja Schildknecht

Co-Gründerin des Zurich Film Festivals, erfolgreiche Unternehmerin und Mutter: Nadja Schildknecht ist eine Powerfrau mit dem nötigen Durchsetzungsvermögen, um in der Geschäftswelt zu überzeugen. In unserem Interview verrät sie, wie sie sich diese Anerkennung erarbeitet hat und wieso es viel mehr Frauen in der Chefetage geben sollte.

Frau Schildknecht, Sie sind u.a. die «Zahlenfrau» des Zurich Film Festivals ...

Ja, ich habe auch diesen schönen Job (lacht). Dies gehört dazu und ist wichtig.

Sie sorgen dafür, dass nach dem Festival kein Loch in der Kasse ist.

Die Verantwortung trage ich mit, das Team, bestehend aus zwischen 20 bis 60 Mitarbeitern im Büro, muss aber stark mithelfen. Es sind viele Budgetposten und hunderte von Rechnungen, welche man unter Kontrolle haben muss. Hat man das nicht im Griff, ist man verloren. Dies bedeutet auch, dass ich oft stark auf die Budgetvorgabe hinweisen und auch mal nein sagen muss, auch dies gehört dazu.

Vor zwölf Jahren kamen rund 8000 Besucher zum ersten Festival, jetzt sind ca. 85'000 Filmfans zu Gast. Wussten Sie damals schon, dass dies Ihr grosser Erfolg werden würde?

Wir haben immer unser Möglichstes gegeben, von nichts kommt nichts. Zudem haben wir in diesen Jahren viel gelernt, denn wir haben das Unternehmen von null aus aufgebaut und stetig weiterentwickelt.

Was haben Sie denn gelernt?

Aller Anfang ist schwer. Die Idee, ein Filmfestival in Zürich zu etablieren, begeisterte nicht sofort jeden. Gerade ein kulturelles Start-up muss viele Hürden nehmen. Damals kamen wir schnell unter Druck – sowohl von der Politik als auch von den Medien. Mit der notwendigen Unterstützung und viel Geld wäre sicher vieles einfacher gewesen. Im Nachhinein betrachtet waren die schwierigen Umstände aber vielleicht sogar besser. Wir mussten kreativ, innovativ sein und das Geld sehr sorgsam einsetzen. Die vielen Sponsoren haben zudem an das ZFF geglaubt, es gepusht, somit haben wir die vielen Crosspromotionen genutzt.

Es kommen auch viele internationale Gäste. Ist der Umgang mit den weltbekannten Filmstars schwierig?

Die Ansprüche können gross sein, müssen aber nicht. Wichtig ist, dass sämtliche Programmpunkte, welche die Persönlichkeiten machen müssen, im Vorfeld minutiös geregelt und verhandelt werden. Uns ist es zudem wichtig, ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Auf Spezialwünsche gehen wir also gerne ein, sofern sie lösbar sind. Dieses Engagement in der Gästebetreuung kommt sehr gut an und wird immer wieder gelobt. Das Festival wurde auch schon als «eine Festivalperle mitten in Europa» bezeichnet.

Wo sehen Sie das ZFF in zehn Jahren, gibt es Steigerungspotenzial – oder wünschen Sie dies gar nicht explizit?

Ich hoffe sehr, dass das Festival ein fester Bestandteil im nationalen und internationalen Festivalkalender bleibt. Wir richten den Fokus nicht explizit auf Grösse und Besucherzahlen, sondern viel mehr auf Qualität. Wenn die Besucher noch lange von den elf Festivaltagen schwärmen und sich auf die nächste Ausgabe freuen, die Branchengäste ihren Film bei uns präsentieren möchten, weil sie sagen, das Zurich Film Festival ist in der Filmlandschaft sehr wichtig, sind wir auf dem richtigen Weg.

Sie waren lange Zeit als internationales Model tätig. Ein ganz anderer Beruf. Wie konnten Sie sich als Leiterin eines Filmfestivals durchsetzen?

Ich konnte in die Aufgabe reinwachsen. Durchsetzungsvermögen habe ich immer gehabt, das Know-how habe ich mir angeeignet. Die Leute, die mich anfänglich unterschätzt haben, zeigen heute Respekt.

Welche Eigenschaften machen Sie denn als Unternehmerin erfolgreich?

Die Mitarbeiter in unserem KMU sind mittlerweile zu einem grossen Teil daran beteiligt, dass wir so gut funktionieren. Zudem muss man als Vorgesetzter ein Vorbild sein. Die Motivation und auch eine Vision sollte man als Ziel vorgeben – so ziehen alle am gleichen Strang und geben ihr Bestes. Als Unternehmerin in einem Geschäft wie unserem, bei welchem man jedes Jahr wieder von vorne beginnt, heisst es zudem, dass man selbst viel Einsatz bringen muss und sich nie auf dem Erfolg ausruhen kann.

Die Handelszeitung zählt Sie zu den 100 wichtigsten Schweizer Unternehmerinnen. Freut Sie das?

Es ist schön, wenn anerkannt wird, was man tut. Insbesondere, weil schwer einzuschätzen ist, was ich eigentlich mache. Von aussen sieht man den Glamour des Filmfestivals, die Leichtigkeit, so soll es sein. Daher freut mich, dass es Menschen gibt, die sehen, wie viel Leidenschaft, Wissen und Unternehmertum nötig sind, um das zu bewerkstelligen.

Im Gegensatz zu Männern fragt man Sie stets, wie Sie es schaffen, Beruf, Familie und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen. Warum?

Frauen bekommen die Kinder, dies führt automatisch schon zu einer engen Beziehung. So ist es auch natürlich, dass viele Frauen die Kindererziehung als ihre Aufgabe verstehen. Primär gibt es noch zu wenige Frauen, welche sich Beruf und Familie zutrauen. Ich hoffe, das ändert sich, Frauen sind in der Chefetage eines Unternehmens sehr wertvoll, ergänzend und wichtig.

Topmodel, Filmfestival-Co-Direktorin, wie gehts weiter?

Ich nehme es Schritt für Schritt, das Leben kommt sowieso anders, als man denkt. Wichtig ist, dass man die Arbeit gerne macht und sich weiterentwickeln kann, was bei meiner jetzigen Tätigkeit möglich ist. Für weitere Herausforderungen bin ich aber immer offen.

Über Nadja Schildknecht

Sie gründete 2005 gemeinsam mit Karl Spoerri das Zurich Film Festival. Heute ist sie Unternehmerin, Geschäftsführerin, verantwortlich für das Finanzwesen, für Marketing, Sponsoring und die Event-Organisation. Schildknecht ist Vorstandsmitglied beim ZFF Donor Verein und Präsidentin im ZFF Supporter Verein. Manchmal sieht man sie als Referentin an höheren Wirtschaftsschulen zu Themen wie Aufbau und Führung von Unternehmen, Marketingstrategie, BrandDevelopment und Sponsoring.

Foto Credit: Adriana Tripa

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